ROSENKRANZGEBET
FÜR DEN FRIEDEN

Das Apostolische Mahnschreiben Recurrens Mensis October von Paul VI. an die Bischöfe, den Klerus und das Volk der katholischen Kirche ruft mit Dringlichkeit dazu auf, während des Oktobers den Rosenkranz zu beten, um die Hilfe der Seligen Jungfrau Maria zu erflehen.

• „Recurrens mensis october“ erinnert an das vierte Jahrhundert des Schreibens „Consueverunt Romani“, von Papst Pius V. zu würdigen, in dem er die traditionelle Form des Rosenkranzes erklärte und förderte.

• Die Hauptzielsetzung des Dokumentes ist, die Hingabe zum Gebet des Rosenkranzes zu erneuern.

• In den drei Teilen wird die Fürbitte der Gottesmutter erbeten und durch sie die Hinwendung zu Gott erwartet, der Rosenkranz soll Friedenstifter sein und letztens werden die Gebetsabsichten erklärt.

• Das Dokument ist weniger ein ausgedehntes dogmatisches Konzept als vielmehr eine praktische Handreichung zum gläubigen Gebet. Durch das Rosenkranzgebet wird um den Weltfrieden – somit ist es zugleich ein Friedensgebet – gebeten, hebt der Papst in seinen Erklärungen hervor.

• Der Rosenkranz soll, so wie Papst Johannes XXIII es sich in seinem Apostolischen Schreiben „Il religioso convegno“ wünschte, zu einem Universalgebet werden. Und so schreibt Paul VI. weiter: für alle Nationen auf der gesamten Welt soll die Hingabe zum Rosenkranz eine Hingabe zum Glauben und der Kirche sein.

Hier folgen einige Ausschnitte:

Häufig verbreitete Missverständnisse

Die Intention, die Wir dieses Jahr all unseren Söhnen und Töchtern vorschlagen möchten, ist jene des Friedens unter den Menschen und zwischen den Völkern weil es uns ernsthafter und dringender als jemals zuvor erscheint. Trotz einigem Fortschritt und einigen berechtigten Hoffnungen setzen sich mörderische Konflikte fort neue Spannungsherde tauchen auf und selbst Christen, die sich auf das gleiche Evangelium der Liebe berufen, scheinen sich oft im Gegensatz zueinander zu befinden. Selbst in der Kirche entstehen Missverständnisse zwischen den Brüdern, die sich gegenseitig anklagen und einander verurteilen. Folglich ist es dringender als je für den Frieden zu arbeiten und zu beten.

Ein Jubiläum vermehrt unsere Zuversicht für diese Anstrengung, nämlich das vierhundertjährige Jubiläum der Apostolischen Bulle Consueverunt Romani Pontifices (1), wodurch der Hl. Pius V. dem Rosenkranz eine angemessene Form für alle Zeiten gab. Dies geschah während einer Periode vieler Schwierigkeiten sowohl für die Kirche als auch für die Welt. Diesem heiligen Erbe, von dem das christliche Volk niemals aufgehört hat, Stärke und Mut zu beziehen, sind wir treu ergeben. Wir mahnen die Geistlichkeit und die Gläubigen durch die Fürsprache der Jungfrau Maria aufrichtig, von Gott Frieden und Versöhnung unter allen Menschen und zwischen allen Völkern zu erbitten.

I. DIE FÜRSPRACHE MARIAS

Zweifellos ist der Frieden ein Anliegen der Menschen und ein allen gemeinsames Gut. Als solches muss er die beständige Sorge von jedermann sein, aber besonders von jenen, die für Staaten oder Völkergemeinschaften Verantwortung tragen. Aber wer hat nicht in der Tat Anteil am Leben und am Frieden einer Familie eines Unternehmens oder einer Vereinigung?

Trotz viel gutem Willen gibt es viele Interessen, die zueinander im Gegensatz stehen; es wird viel Egoismus gezeigt; viele Feindseligkeiten nehmen zu; viele Rivalitäten liegen im Streit miteinander. Wer versteht dann nicht das unermüdliche Handeln, das von jedem verlangt wird, damit die Liebe über die Uneinigkeit triumphieren und dass der Frieden in der Stadt der Menschen wiederhergestellt sein möge?

Kein Frieden ohne Gott

Der Frieden ist auch ein Anliegen Gottes. Er hat in unsere Herzen das leidenschaftliche Verlangen nach Frieden eingepflanzt. Er spornt uns an für ihn zu arbeiten, indem jeder seinen Anteil beiträgt und zu diesem Zweck unterstützt er unsere schwachen Kräfte und unseren schwankenden Willen. Er allein kann uns eine friedliche Seele schenken und uns in unseren Anstrengungen für den Frieden an Intensität und Festigkeit bestärken.

Ein Gebet, durch das wir um das Geschenk des Friedens bitten, ist deshalb ein unersetzlicher Beitrag zur Errichtung des Friedens. Es ist durch Christus, durch den uns alle Gnade gegeben wird (2); durch ihn können wir das Geschenk des Friedens willkommen zu heißen. Und was können wir bei diesem Vorhaben anderes tun als uns liebevoll auf die unvergleichliche Fürsprache Marias, seiner Mutter, zu verlassen, von der uns das Evangelium sagt, dass sie „bei Gott Gnade gefunden hat?“ (3)

Gründe für die Zuversicht

Die demütige Jungfrau von Nazaret ist es, die Mutter des „Fürsten des Friedens“ wurde (4), der unter dem Zeichen des Friedens (5) geboren wurde, und der der ganzen Welt verkündete: „Selig, die Frieden stiften; denn sie werden Söhne Gottes genannt werden“ (6). Das Evangelium lehrt uns, dass Maria empfindsam für die Bedürfnisse der Menschen ist. Zu Kana zögerte sie nicht, zur Freude der Dorfbewohner, die zu einem Hochzeitsfest eingeladen waren, einzugreifen (7). Wie sollte sie dann nicht zu Gunsten des Friedens, jenes kostbaren Besitzes, eingreifen wenn wir nur zu ihr mit einem aufrichtigen Herzen beten?

Das Zweite Vatikanische Ökumenische Konzil erinnert uns daran, dass Maria fortfährt, bei ihrem Sohn zu Gunsten ihrer Kinder auf Erden einzutreten (8). Als sie ganz einfach zu ihm sagte: „Sie haben keinen Wein mehr,“ antwortete Christus äußerst großzügig. Wie würde er dann nicht ihr gegenüber die gleiche Großzügigkeit zeigen wenn sie sagt: „Sie haben keinen Frieden mehr!“

II. VERPFLICHTUNG EINES JEDEN CHRISTEN

Wenn jedermann „soviel er kann und wie er am besten kann“ (9) für die Gerechtigkeit und den Frieden auf der Welt arbeitet, dann wird jeder Christ von Herzen Maria bitten, mit uns und für uns zu beten, so dass jener Friede, den nur der Herr allein geben kann, uns gewährt sein möge (10). Außerdem lernen wir, durch das Meditieren der Geheimnisse des allerheiligsten Rosenkranzes durch das Vorbild Marias durch die liebevolle und unaufhörliche Vereinigung mit Jesus und den Geheimnissen seines erlösenden Lebens, friedvolle Seelen zu werden.

Es müssen alle beten

Lasst alle Kinder der heiligen Kirche beten:

Für die Kinder und Jugendlichen, deren Zukunft inmitten der Veränderungen, die die Welt erschüttern, in Gefahr ist. Lasse Eltern, Lehrer und alle Priester danach streben, aus ihnen Menschen zu machen, die dem Gebet geweiht sind.

Für die Kranken und Älteren, die manchmal durch ihre scheinbare Nutzlosigkeit entmutigt sind. Sie sollten die wirksame Kraft des Gebetes wieder entdecken und liebevolle Seelen werden, indem sie die Menschen friedlich zur Quelle des Friedens ziehen.

Für die Erwachsenen, die den ganzen Tag schwer arbeiten. Sie werden entdecken dass ihre Anstrengungen erfolgreicher sind, wenn diese aus einem Leben des Gebetes erwachsen (11). Indem sie Maria kennen werden sie um so besser Jesus kennen und ihn lieben. Viele unserer Vorfahren im Glauben haben diese lebenspendende Erfahrung gemacht.

Für die geweihten Seelen, deren Leben wie das von Maria immer eng mit dem Leben Christi verbunden ist, um seine Botschaft der Liebe und des Friedens auszustrahlen. Für die Bischöfe und ihre priesterlichen Helfer, die den besonderen Auftrag haben „im Namen der Kirche namens des ganzen ihnen vertrauten Volkes und ja sogar der ganzen Welt“ zu beten (12). In den Tiefen ihres Gebetes werden sie sich sicherlich mit dem Bittgebet Marias vereinigen.

In diesem leidenschaftlichen Verlangen nach Frieden, der die „Frucht des Geistes“ ist (13), werden wir uns alle wie die Apostel im Abendmahlssaal „dem Gebet mit ... Maria, der Mutter Jesu“ hingeben (14).

III. GEBETSINTENTIONEN

Wir wollen für alle beten, die die Aufgaben des Friedens auf der Welt ausführen; vom einfachsten Dorf angefangen bis zu den größten internationalen Organisationen. Zusammen mit unserer Ermutigung und unserer Dankbarkeit haben sie auch Anspruch auf unsere Gebete. „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt, der eine frohe Botschaft bringt und Rettung verheißt“ (15).

Wir wollen beten, dass es überall Berufungen geben möge, die Handelnde des Friedens, Arbeiter für die Eintracht und die Versöhnung zwischen den Menschen und den Völkern werden. Wir wollen beten, dass aus jedem Herz, angefangen mit dem unsrigen, Sektierertum und Rassismus, Hass und Gottlosigkeit ausgerottet werden möge, denn sie sind der immer wiederkehrende Ursprung von Kriegen und Spaltungen. Denn wenn das Böse mächtig ist, dann ist die Gnade noch mächtiger.

Wir wollen zu ihm beten, der für unsere Sünden gestorben ist, „die Kinder Gottes in Einheit zusammenzuführen, die überallhin zerstreut sind“ (16). Wir wollen beten, dass unter allen Söhnen und Töchtern der Kirche ein Klima des gegenseitigen Respekts und des Vertrauens, des Dialoges und des gegenseitigen Wohlwollens sei. Wir wollen beten, dass alle, indem sie ihre Differenzen anerkennen, erkennen mögen, dass sie sich gegenseitig in der Wahrheit und in der Liebe Christi ergänzen, gemäß der Empfehlung des heiligen Paulus, des großen Apostels: „Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden... Daher wollen wir uns nicht mehr gegenseitig richten..., denn das Reich Gottes... ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist...... Lasst uns also nach dem streben, was zum Frieden und zum Aufbau (der Gemeinde) beiträgt“ (17).

Alle müssen Friedensstifter sein

Wir selbst, verehrte Brüder, geliebte Söhne und Töchter, wollen niemals aufhören für den Frieden schwer zu arbeiten und zu beten als Stellvertreter von dem, der „unser Friede... ist..., der Frieden stiftet... und die Feindschaft zu einem Ende bringt.“ Mit dem Apostel Paul, unter dessen Namen wir unsere Geringfügigkeit verbergen möchten, ermahnen wir euch „ein Leben zu führen, das des Rufes würdig ist, der an euch erging. Seid demütig, friedfertig und geduldig; ertragt einander in Liebe und bemüht euch, die Einheit des Geistes zu wahren durch den Frieden, der euch zusammen hält“ (19).

Möge die häufige Meditation der Geheimnisse unserer Erlösung, euch zu Friedensstiftern nach dem Bilde Christi und nach dem Vorbilde Marias machen. Möge der Rosenkranz in der vom heiligen Papst Pius V. überlieferten Form, sowie auch in den anderen neueren Formen, die mit Zustimmung der gesetzlichen Autorität, den heutigen Anforderungen angepasst ist - in der Tat wie von unserem geliebten Vorgänger Papst Johannes XXIII. Gewünscht „ein großes öffentliches und universales Gebet für die alltäglichen und außergewöhnlichen Bedürfnisse der heiligen Kirche, der Völker und der gesamten Welt sein“ (20), denn dieser Rosenkranz ist gleichsam „das Evangelium en miniature“ (21) und „von nun an eine Frömmigkeitsübung der Kirche“ (22).

Durch dieses Gebet zu Maria, der allerheiligsten Gottesmutter und auch unserer Mutter helfen wir, das Anliegen des Konzils zu verwirklichen: „Alle Christgläubigen mögen inständig zur Mutter Gottes und Mutter der Menschen flehen, dass sie, die den Anfängen der Kirche mit ihren Gebeten zur Seite stand, auch jetzt im Himmel über alle Seligen und Engel erhöht, in Gemeinschaft mit allen Heiligen bei ihrem Sohn Fürbitte einlege, bis alle Völkerfamilien, mögen sie den christlichen Ehrennamen tragen oder ihren Erlöser noch nicht kennen, in Friede und Eintracht glückselig zum einen Gottesvolk versammelt werden, zur Ehre der heiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit“ (23).

Auf Grund dieser Intention geehrte Brüder, geliebte Söhne und Töchter, spenden wir euch von ganzem Herzen unseren Apostolischen Segen und laden euch ein, den heiligen Rosenkranz mit Leidenschaftlichkeit während dieses Oktobermonats zu beten.

Gegeben in Rom, St. Peter am 7. Oktober im Jahre 1969, dem siebten Jahr unseres Pontifikats

Papst Paul VI

Acta Apostolicae Sedis Vol LXI 10. Novembre 1969 649 - 654

1.  Bull.Ord. Praed., Sept. 17, 1569, vol. V, p. 223

2.  Siehe Rom 8,32

3.  Lk 1,30

4.  Is 9,5

5.  Siehe Lk 2,14

6.  Mt 5,9

7.  Siehe Jn 2,15

8.  Siehe LG 62: AAS 57 (1965), 63 [TPS X, 397-398]

9.  Siehe Populorum Progressio 75: AAS 59 (1967), 294 [TPS XII, 168]

10.  Siehe "Votivmesse für den Frieden"

11.  Siehe LG 34: AAS 57 (1965), 39-40 [TPS X, 382]

12.  Presbyterorum Ordinis: Über Dienst und Leben der Priester 5. AAS 58 (1966), 998.

13.  Gal 5,22

14. . Apostelgeschichte 1,14

15.  Is 52,7

16.  Siehe Jn 11,52

17.  Röm 12,18 and 14,13,17,19

18.  Eph 2,14-16

19.  Ibid., 4,1-3

20.  Apostolischer Brief Il religioso convegno, Sept. 29, 1961: AAS 53 (1961), 646

21.  Cardinal J. G. Saliege, Voila ta Mere, Toulouse: Apostolat de la priere (1958, p. 40)

22.  Paul VI, An die Teilnehmer des Dritten Internationalen Rosenkranz Kongresses des Dominikaner Ordens. 13. Juli 1963: Insegnamenti di Paolo VI, I (1963), 464

23.  Siehe LG 69: AAS 57 (1965), 66-67 [TPS X, 399-400]


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