HINWEISE ZUR HERKUNFT
DER LICHTREICHEN GEHEIMNISSE

Englischer Originaltext von John Formosa
(bis 2004 Generalsekretär der Gesellschaft der Christlichen Lehre und momentan Editor der Schriften von Pater Preca)

Am 16. Oktober 2002 begann Seine Heiligkeit Johannes Paul II den fünfundzwanzig- jährigen Jahrestag seines Pontifikats. Aus diesem Anlass veröffentlichte er den apostolischen Brief Rosarium Virginis Mariae (RVM) mit der Ankündigung des Jahres des Rosenkranzes vom Oktober 2002 bis Oktober 2003. In diesem Brief führte der Papst auch fünf neue Rosenkranzgeheimnisse ein, die sich nahtlos in die traditionellen Geheimnissen einfügen. Diese neuen Geheimnisse, die er Die Geheimnisse des Lichts oder Lichtreiche Geheimnisse nannte, weisen auf das öffentliche Leben Unseres Herrn hin.

Der hl. Georg Preca und die Geheimnisse des Lichts

Diese Ergänzung der Gesätze des Rosenkranzes - der über vierhundert Jahre lang unverändert geblieben ist - hat ziemlich viel Interesse erweckt. Obwohl der Brief aufschlussreiche und neue Lehren über den Rosenkranz beinhaltet, hat es den Anschein, dass die Medien beinahe ausschließlich an diesen neuen Lichtreichen Geheimnissen interessiert waren. Internationale Journalisten, katholisch und nicht-katholisch, machten sie zum Brennpunkt ihrer Artikel und fügten hinzu, dass „die Idee des Papstes aus den Schriften eines maltesischen Priesters, Georg Preca, gekommen sein könnte, den der Papst im Jahre 2001 heilig gesprochen hatte.“ So z.B. in The Guardian, The Universe, The Tablet und weiteren Nachrichten Agenturen.

Es kann noch nicht mit 100% Klarheit bewiesen werden, dass diese neuen Geheimnisse tatsächlich aus jenen genommen wurden, die von Dun Gorg (wie der Heilige liebevoll in Malta genannt wird). Aber es ist sicherlich ein seltsamer Umstand dass, abgesehen von ein paar kleinen Unterschieden, die fünf Geheimnisse mit jenen identisch sind, die von Pater Preca vorgeschlagen wurden. Genauso interessant ist die Tatsache, dass der Papst diese Geheimnisse aus dem öffentlichen Leben Christi die Geheimnisse des Lichts genannt hat. Derselbe Name wurde ihnen ursprünglich von Pater Preca gegeben als er sie erstmals im Jahre 1957 vorschlug.

Wie hat der Papst davon erfahren ?

Wenn diese neuen Rosenkranzgeheimnisse tatsächlich vom hl. Georg Preca stammen, dann bleibt noch immer die Frage: Wie hat der Papst davon erfahren, so dass er sie in seinem apostolischen Brief über den Rosenkranz vorstellen konnte? Zahlreiche Vermutungen sind geäußert worden, solche des Internets mit einbegriffen. Tatsächlich verweisen einige katholische Websites in englischer Sprache auf die Geheimnisse des Lichts, die wahrscheinlich von Maltesern in den USA veröffentlicht wurden.

Schon seit 1957

Der Heilige Preca (1880 - 1962) gründete eine Gesellschaft von Laien mit dem Auftrag, Kinder und Erwachsene in der Katechese zu unterrichten. Er nannte sie Gesellschaft der Christlichen Lehre. 1957 feierte die Gesellschaft den fünfzigsten Jahrestag seiner Gründung. Pater Preca wollte keine äußeren Feiern: „Es reicht aus, das Te Deum als Danksagung zu singen,“ sagte er. Aber seine Mitarbeiter redeten ihm zu, ein paar bescheidene Feierlichkeiten als Ermunterung für die Mitglieder zu erlauben.

Daraufhin beschloss Pater Preca, das Jubiläumsjahr als Gelegenheit zur tieferen Vertrautheit mit Gott zu nutzen. Er veröffentlichte Gespräche mit Gott bestehend aus sechzig kurzen, aber eindringlichen Bittgebeten, die uns einen guten Einblick in das Innenleben Pater Precas geben. Im Laufe des gleichen Jahres entwickelte er die Idee dieser weiteren Rosenkranzgeheimnisse, die aus dem öffentlichen Leben Unseres Herrn stammen. Ursprünglich hatte sie Pater Preca in einer unbedeutenden Broschüre für den privaten Gebrauch der Mitglieder seiner Gesellschaft herausgegeben.

War Pater Presca der Urheber?

„Ich erinnere mich noch recht lebhaft daran, wie unser Gründer die Geheimnisse während eines unserer wöchentlichen Treffen vorstellte. Sein Gesicht zeigte deutlich die Freude in seinem Herzen, als er diese Episoden aus dem öffentlichen Leben Jesu besprach. Pater Preca sagte nicht, wie sie entstanden waren, ob sie sein Einfall waren oder aus einer anderen Schrift genommen worden waren. Im letzteren Fall würde er wie üblich zu reden angefangen haben: ‚Seht her, was ich für euch gefunden habe...‘ So schien es, dass die Idee völlig von ihm war. Er sagte uns, dass es sinnvoll sei über das gesamte Leben Christi zu meditieren, und dass dem Rosenkranz dieser öffentliche Dienst des Herrn gefehlt hat. Pater Preca fügte hinzu, dass er sich wahrhaft darüber gefreut hat, diese neuen Geheimnisse zu beten und über den nachzudenken, der gesagt hat, dass er das Licht der Welt ist (vgl. Joh 8, 12).

DieGeheimnisse des Lichts wurden in Malta nach zwei Publikationen in den Jahren 1973 und 1987 zum Volkseigentum. Wie bereits oben erwähnt, wurden sie später über das Internet auf Websites über den Rosenkranz verbreitet.

Die Geheimnisse des Lichts nach dem hl. Preca und dem Papst

Folgendes sind die Geheimnisse des Lichtes wie sie von Pater Preca bzw. vom Papst vorgeschlagen wurden.

Nach Pater Preca

1) Als Unser Herr Jesus Christus nach seiner Taufe am Jordan in die Wüste geführt wurde.

2) Als Unser Herr Jesus Christus durch Worte und Wunder zeigte, dass er wahrer Gott ist.

3) Als Unser Herr Jesus Christus auf dem Berg die Seligpreisungen lehrte.

4) Als Unser Herr Jesus Christus auf dem Berg verklärt wurde.

5) Als Unser Herr Jesus Christus sein letztes Mahl mit den Aposteln hielt.

Nach Papst Johannes Paul II
1) Die Taufe Jesu am Jordan.

2) Seine Selbstoffenbarung bei der Hochzeit zu Kana.

3) Seine Verkündigung des Gottesreiches nebst seinem Ruf zur Umkehr.

4) Seine Verklärung vor den Aposteln auf dem Berg Tabor.

5) Seine Einsetzung der Eucharistie als sakramentaler Ausdruck des Ostergeheimnisses.

Ein Vergleich weist eine große Ähnlichkeit zwischen den vom hl. Georg Preca vorgeschlagenen Geheimnissen des Lichts und den vom Papst fünfundvierzig Jahre später vorgeschlagenen licht-reichen Geheimnissen auf. Die Unterschiede zwischen ihnen sind nicht so bedeutend, wie es auf den ersten Blick scheinen mag.

Im ersten Geheimnis fügt Pater Preca hinzu, dass Jesus nach der Taufe am Jordan in die Wüste ging, um vierzig Tage als Vorbereitung für seine Mission zu verbringen. Diejenigen, die den hl. Preca gut kennen, können auch erahnen, warum er diesen Bibelabschnitt aus dem Leben Jesu hinzugefügt hat. Da Pater Preca diese Geheimnisse für den Gebrauch für die Mitglieder seiner Gesellschaft verfasst hat, benötigte er sie wahrscheinlich, um die Wichtigkeit des sich Vorbereitens für die Sendung der Evangelisation herauszustellen.

Im zweiten Geheimnis schlug Pater Preca vor, dass wir darüber nachdenken, wie Jesus seine Gottheit durch Worte und Wunder zeigte. Der Papst schlägt nur ein Wunder vor, nämlich die Hochzeit zu Kana, bei der Jesus „seine Herrlichkeit offenbarte“ (Joh 2,11).

Im dritten Geheimnis führt Dun Gorg die Seligpreisungen an, die die „Verfassung“ der Kirche, die Jesus gründen sollte, darstellt. Mit den Seligpreisungen „verkündete Jesus das Reich Gottes“ und forderte uns auf, unseren Lebenswandel zu ändern, um ihm zu folgen.

Die vierten und fünften Geheimnis der beiden Texte haben den gleichen Inhalt.

Johannes Paul II und Pater Preca über den Rosenkranz

Abgesehen von den neuen Geheimnissen des Lichts sind in RVM weitere Punkte, die uns an die Lehre Pater Precas über den Rosenkranz erinnern. Der Papst schlägt zum Beispiel einen Augenblick der stillen Besinnung vor, nachdem das Geheimnis angesagt worden ist ( RVM 31). Pater Preca hat dies nicht nur selbst praktiziert, sondern er hat es auch anderen empfohlen. Pater Preca pflegte den Rosenkranz als eine Schule des Lernens zu bezeichnen besonders deswegen, weil er uns anleitet, die Geheimnisse des Lebens Unseres Herrn zu betrachten. Es ist deswegen interessant, dass Seine Heiligkeit in seinem Apostolischen Schreiben fünfmal auf den Rosenkranz als eine Schule Marias verweist (RVM 1, 3, 5, 14, 45).

Pater Preca verfasste mehrere Mariengebete, von denen jedes auf eine Eigenschaft hinweist, die mit dem Geheimnis, das betrachtet werden soll, verbunden ist und vor dem Vater unser gebetet wird. In RVM 35 schlägt der Papst auch ein ähnliches Gebet nach dem Gloria Patri vor.

Zum Abschluss

Wir können den Umstand nicht ausschließen, dass Pater Preca auch mit den Schriften des Hl. Ludwig Maria Grignon de Montfort vertraut war. Aber wie auch immer, die glückliche und formelle Einbeziehung der Lichtreichen Geheimnisse in den Rosenkranz durch den Papst gibt einen wichtigen Aspekt der Spiritualität von Pater Preca wieder: seine Verbundenheit mit dem Papst, als universalem Hirten der katholischen Kirche. Wenn Pater Preca heute leben würde, hätte er sich riesig gefreut! Er würde sich die Botschaft des Papstes zu eigen machen und uns alle dazu ermuntern, in den Hymnus zu Maria einzustimmen: Freue dich, denn du hast große Huld beim Herrn gefunden! Pater Preca hätte uns zweifellos und mit Nachdruck die eindringlichen Worte des Heiligen Vaters ans Herz gelegt: „Durch den Rosenkranz hilft uns Maria das Geheimnis der christlichen Freude zu erlernen, indem sie uns daran erinnert, dass das Christentum vor allem euanghelion -- gute Botschaft ist, die ihren Mittelpunkt, ja in der Tat ihren wirklichen Gehalt, in der Person Christi hat.“


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