EIN ROSENKRANZGEMÄLDE

 

Die Geheimnisse des Rosenkranzes

Unbekannter Künstler (italienisch - kretisch )

spätes sechzehntes Jahrhundert, frühes siebzehntes Jahrhundert

Öl auf Tafelbild

Vatikanische Pinakotek (Inv. 41409 )

Allgemeine Beschreibung

Die lateinische Inschrift auf dem obigen Tafelbild kennzeichnet das Gemälde als „die dreifache andächtige Betrachtung des Rosenkranzes der Seligen Jungfrau Maria.“ Die Tradition hat uns fünfzehn Geheimnisse oder Ereignisse aus dem Leben von Jesus und Maria überliefert. Die Geheimnisse sind in drei Folgen angeordnet: die freudenreichen, die schmerzhaften und die glorreichen Geheimnisse.

Das Gemälde zeigt eine weite Landschaft. Im Vordergrund ist es durch drei große Bäume unterteilt. An jedem Baum sind Medaillen oder Tondos angebracht, die die Geheimnisse des Rosenkranzes verkörpern. Am Fuße jeden Baumes wird eine Episode aus dem Alten Testament gezeigt. Die Landschaft wird außerdem durch drei heimatliche Szenen unterteilt: ein grünendes Feld mit Bäumen, ein Gewässer und eine Bergkette mit Silhouetten von Städten mit winzigen Kuppeln und Kirchturmspitzen.

Der Maler ist unbekannt, aber es wird angenommen, dass er Grieche war und sowohl mit der byzantinischen als auch der westlichen Tradition des Malens vertraut war. Das Gemälde spiegelt den italienisch-kretischen Ikonenstil (Medaillen) genauso wie westliche stilistische Elemente (venezianische Landschaften) wieder. Die Farben sind kräftig und in den Farbtönen von Rot, Blau, Braun und Ocker lasiert. Die Gesichter und Silhouetten sind klein und dunkel und von Glanzlichtern erhellt.

Die drei Bäume übermitteln die zentrale Botschaft dieses Gemäldes, das einen ausgesprochen erzieherischen Charakter hat. Es informiert über den Rosenkranz und seine Bedeutung. Sein Ziel ist, zu einer „andächtigen Betrachtung“ zu führen.

Die Palme (links) führt in die freudenreichen Geheimnisse ein. Die Palme ist ein Symbol des Ruhms. In der christlichen Tradition steht sie für den Sieg Christi über den Tod. Sie deutet die Auferstehung und die Unsterblichkeit an.

Jedes der kreisförmigen Bilder, die an den Zweigen befestigt sind, verkörpert eines der fünf freudenreichen Geheimnisse. Das sechste Medaillon fasst die gesamte Bedeutung der fünf freudenreichen Geheimnisse zusammen.

1.Die Verkündigung (Der Engel Gabriel kündigt Maria die Geburt Christi an) (Lk 1,38 )

2.Die Besuch Marias bei ihrer Kusine Elisabet (Lk 1, 42 )

3.Die Geburt Jesu (Lk 1, 48)

4.Die Darbringung Jesu im Tempel (Lk 2, 29)

5.Christus unter den Doktoren (Lk 2, 49)

6.Das sechste und zentrale Bild (Madonna mit Kind) verkörpert die göttliche Mutterschaft Marias und die Menschwerdung Christi, die der Beginn der Erlösung und der Auferstehung für alle ist, die guten Willens sind. Dies ist die zentrale Bedeutung der freudenreichen Geheimnisse.

 

Die Szene aus dem Alten Testament am Fuße der Palme basiert auf Exodus 15,1. Moses erhebt nach dem Durchqueren des Roten Meeres seinen Stab und schließt den Übergang, indem er das ägyptische Herr ertränkt. Die Szene verkündet die Macht Gottes, die ihren lichtesten Ausdruck im Kommen seines Sohnes findet.

Der Brombeerstrauch (in der Mitte des Bildes) führt uns in die schmerzhaften Geheimnisse ein. Der Brombeerstrauch mit seinen Dornen ist ein Symbol des Leidens und des Todes. Seine Zweige, die mit Dornen beladen sind, umschließen die Geheimnisse und die Ereignisse der Passion und des Todes Jesu. Anfangend mit der Spitze, zeigen die Medaillons:

1.Jesus betet im Garten (Lk 22, 42)

2.Die Geißelung (Psalm 72,14)

3.Die Krönung mit Dornen (Ezekiel 24:17)

4.Christus trägt das Kreuz (Mt 27, 32 )

5.1.Die Kreuzigung (Joh 19,26 )

Das zentrale Tondo zeigt die Pieta, die den tiefen Schmerz der Mutter deutlich macht, die ihren Sohn in ihren Armen hält. Die schmerzhaften Geheimnisse führen uns zur Betrachtung des Todes Christi, einem Tod, den er für die Erlösung von uns allen erlitten hat.

Die Szene am Fuße des Brombeerstrauches stellt Josef dar, wie er von seinen Brüdern in den Brunnen geworfen wird (Psalm 118:12) . Josef ist ein Symbol von Christus. Die Szene nimmt das Begräbnis Christi voraus und die Brüder Josefs erinnern an die Peiniger Christi. Der Psalm 118 kündigt bereits den Sieg Christi über die Sünde und den Tod an.

Der große Rosenstrauch (rechts) ist mit roten und weißen Rosen geschmückt. Die Rose ist ein traditionelles Symbol Marias und des Rosenkranzes. Rot steht für die Liebe, Weiß für die Jungfräulichkeit (Hl. Bernhard ). Die beiden Farben sind auch Metaphern der Liebe und der Reinheit. Der Rosenstrauch verkörpert die dritte Folge der Rosenkranzgeheimnisse, die glorreichen Geheimnisse. Diese beginnen mit der Auferstehung Christi und enden mit der Krönung Marias.

1.Die Auferstehung Jesu (Psalm 3, 6)

2.Die Verklärung Jesu (anstatt der Himmelfahrt - Mt 17, 9)

3.Pfingsten, zeigt Maria in der Mitte der Apostel (Weisheit 1, 7)

4.Die Aufnahme der Seligen Jungfrau Maria in den Himmel (Sirach 24, 19)

5.Die Krönung der Jungfrau durch den Vater (Hohes Lied 4, 7)

Das Medaillon in der Mitte zeigt Maria mit einer Krone auf ihrem Haupt. Sie ist die Krönung des Heilswerkes Christi. Sie ist die Allerschönste und verkörpert die Vollendung von allen in der Ewigkeit.

Die Szene am Fuße des Rosenstrauches zeigt die Verkörperung der Weisheit: Maria, der Sitz der Weisheit und der Tabernakel des ewigen Wortes. Die mit Blumen gefüllten Körbe symbolisieren die Gaben der Weisheit. Maria bietet den Armen Früchte und Blumen, die Gabe der Weisheit, an (Sirach 14, 12).

Drei Bilder von Maria:

Der dreifache Rosenkranz der freudenreichen, schmerzhaften und glorreichen Geheimnisse kann in den drei zentralen Darstellungen Marias zusammengefasst werden:

Mutter Jesu Christi (freudenreiche Geheimnisse)

Pieta (schmerzhafte Geheimnisse)

Madonna als Königin (glorreiche Geheimnisse)

Jedes dieser Bilder kann nur richtig in Bezug auf Jesus Christus verstanden werden. Er ist das menschgewordene Wort, der Erlöser und die endgültige Vollendung des menschlichen Lebens. Maria verkörpert die menschliche Seite der Heilsgeschichte: sie empfängt Jesus (Mutter), begleitet ihn bis zum Ende (Pieta) und empfängt aus der Hand Gottes ewige Herrlichkeit (Königin).

Interessante ikonographische Motive:

1)Blau und Rot: Marias Gewänder sind der Tradition entsprechend in rot und blau gehalten. In den freudenreichen Geheimnissen ist ihr Umhang blau und ihr Gewand rot. Rot steht hier für Marias Aufnahme in den Himmel.

2)Sonne und Mond: Weit verbreitet in mittelalterlichen Darstellungen der Kreuzigung, betonen Sonne und Mond die kosmische oder universale Wichtigkeit der Erlösung. Sie weisen auch auf das Alte (Mond) und Neue Testament (Sonne) hin. Sonne und Mond in den oberen linken und rechten Ecken unseres Gemäldes können ein bildhafter Hinweis auf die Verbindung zwischen Jesus und Maria sein: Maria (Mond) empfängt ihre Bedeutung und ihre Wichtigkeit durch Jesus (Sonne).

3)Die goldenen Hörner: Wir können zwei lodernde Strahlen auf Moses' Stirn sehen. Dies sind keine goldenen Hörner (Ex 34, 29 ff), sondern Lichtstrahlen, die sein Angesicht erleuchten, eine Folge der Begegnung Moses mit Gott. Eine irrtümliche Auslegung der Vulgata link to: wikipedia.org/wiki/Vulgata machte sie zu Hörnern.


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